Mehr als je erhofft

Mit Mehr als wir je erhofft hatten setzt sich Gertraud Schöpflin mit einem heiklen und oft verschwiegenen Thema auseinander: unerfüllter Kinderwunsch. Die eigene Betroffenheit der Autorin verleiht dem Buch Authentizität und bringt ein meist leises Leiden zur Sprache. Aufklärend, aufrüttelnd, stellenweise abenteuerlich und insgesamt aussagekräftig schildert sie ihre autobiografische Auseinandersetzung mit einem zutiefst sensiblen Thema, das viele Paare existenziell betrifft.

 

Wer ist die Autorin?
Gertraud Schöpflin ist Lehrerin und Autorin und schreibt aus persönlicher Erfahrung. Gemeinsam mit ihrem Mann durchlebte sie viele Jahre des Wartens auf eigene Kinder, geprägt von Hoffnung, Frustration und geistlichen Fragen. Ihr Schreiben ist journalistisch geprägt, erzählerisch klar und seelsorgerlich sensibel. Sie tritt nicht als Theologin auf, sondern als Betroffene, die ihre Geschichte teilt.

 

Worum geht’s?
Inhaltlich berichtet Schöpflin von ihrem Lebenstraum, Mutter zu werden, und von den dunklen Tälern, die dieser Wunsch zunächst mit sich brachte. Statt eines schnellen Starts ins Familienglück folgten Jahre der Frustration, Ablenkung und des Fragens. Sie nimmt den Leser mit ins Wartezimmer der künstlichen Befruchtung, hinein in die Spannung unerfüllter Gebete und weiter bis ins Kinderheim im winterlichen Minsk. Der Weg, der schließlich zu einer kinderreichen Familie führte, war nervenaufreibend, schmerzhaft und zugleich überraschend.

 

Die Neuauflage bietet mehrere inhaltlich sinnvolle Ergänzungen. Die bislang am Ende des Buches gesammelten Reflexionsfragen sind nun jeweils am Ende der einzelnen Kapitel platziert und fördern eine unmittelbare persönliche Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Hinzugekommen ist ein Extrakapitel, in dem die Autorin ihre heutige Lebenssituation reflektiert und den gesamten Weg rückblickend einordnet. Außerdem wird jedes Kapitel nun durch ein Familienbild ergänzt, was den autobiografischen Charakter unterstreicht und die Entwicklung der Familie sichtbar macht.

 

Stilistisch bleibt das Buch erzählend, persönlich und gut strukturiert.

 

Wer soll es lesen?
Das Buch richtet sich an Betroffene, an Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, ebenso an Begleiter, Seelsorger und Gemeindemitglieder, die lernen wollen zuzuhören und mitzuleiden. Auch Interessierte ohne eigene Betroffenheit erhalten einen ehrlichen Einblick in eine oft unterschätzte Not.

 

Was gibt es Kritisches?
Die geistliche Reflexion bleibt überwiegend erfahrungsbezogen. Bibeltexte werden eher illustrativ als auslegend verwendet. Gottes Souveränität, der Zweck des Leidens und das Spannungsfeld von Gebet und Nichterfüllung werden nicht systematisch entfaltet.

 

Wie kann ich das Werk nutzen?
Als seelsorgerliche Begleitlektüre, als Gesprächsanstoß und als ehrlicher Erfahrungsbericht. Das Buch eignet sich nicht als theologische Anleitung, wohl aber als Hilfe zum Verstehen, Mitgehen und Reflektieren. Die ergänzten Fragen der Neuauflage fördern das persönliche Nachdenken und können auch in Gesprächsgruppen genutzt werden.

 

Was bleibt?
Ein einfühlsames, gut lesbares Buch, das Leid ernst nimmt und Hoffnung nicht billig verkauft. Es schenkt Sprache für Schmerz, Zweifel und Warten, ohne Glaubenssensation oder fromme Abkürzungen. Als Erfahrungsbericht ist es wertvoll, als geistliche Orientierung begrenzt. Wer es liest, sollte die Geschichte würdigen – und sie bewusst am Maßstab der Schrift reflektieren.


Das Buch:

  • Schöpflin, G. (2026): MEhr als wir je erhofft hatten. Vom stillen Kinderwunsch zum vollen Mutterherz, Brunnen Verlag, ISBN: 978-3-7655-3376-1, 175 Seiten, Preis: 15,00€

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