Angst - Glaube - Zivilcourage

Die Corona-Krise hat tiefe Spuren hinterlassen – gesundheitlich, politisch, gesellschaftlich und auch geistlich. Mit dem Sammelband „Angst, Glaube, Zivilcourage. Folgerungen aus der Corona-Krise“, herausgegeben von Dr. Thomas A. Seidel und Dr. Sebastian Kleinschmidt, liegt ein Werk vor, das diese Folgen aufarbeitet. 17 Autoren aus Medizin, Theologie, Recht und Politik werfen einen kritischen Blick zurück, fragen nach Ursachen und Folgen und beleuchten auch die Rolle von Kirche und Glaube in der Krise. Damit werden Fragen angesprochen, die Christen und Gemeinden auch heute bewegen: War Angst ein guter Ratgeber? Wie verhielt sich die Kirche? Welche Lehren müssen wir ziehen?

 

Wer ist der Autor?

Thomas A. Seidel ist Theologe, Publizist und war u. a. in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland tätig. Sebastian Kleinschmidt ist Philosoph, Essayist und langjähriger Chefredakteur der Kulturzeitschrift Sinn und Form. Beide Herausgeber haben bereits an der Schnittstelle von Theologie, Philosophie und Gesellschaft publiziert und bringen hier ihre Netzwerke und Perspektiven zusammen.

 

Buchinhalt

Der Band gliedert sich in drei Abschnitte: Zunächst geht es um „das Spiel mit der Angst“ – wie Politik und Medien Angst nutzten und wie Christen damit umgehen sollten. Der zweite Teil untersucht „Wege aus der Gefahr“ mit medizinischen, juristischen und gesellschaftlichen Analysen. Der dritte Abschnitt fordert eine „Aufarbeitung“, die nicht nur Schuld zuweist, sondern Lehren für die Zukunft zieht.

 

Der Stil ist überwiegend sachlich, wissenschaftlich und zum Teil anspruchsvoll. Viele Beiträge sind mit Quellen belegt und eher akademisch als populär geschrieben. Während einige Texte seelsorgerlich und biblisch reflektieren, sind andere stärker juristisch oder medizinisch geprägt und daher nicht immer leicht zugänglich.

 

Zentrale Gedanken sind: Angst darf nicht handlungsleitend sein; Christen sollen mutig und glaubensvoll leben; Freiheitsrechte müssen geschützt werden; Kirchen haben in der Pandemie vielfach versagt; eine ehrliche Aufarbeitung ist nötig, um Vertrauen wiederzugewinnen. Einzelne Beiträge verweisen auf Luthers Haltung in Pestzeiten oder auf die Not der Impfgeschädigten, die politisch übergangen wurden.

 

Wer soll es lesen?

Das Buch richtet sich an Christen, die die Corona-Krise kritisch reflektieren wollen, an Leiter in Kirchen und Gemeinden sowie an alle, die politisch und gesellschaftlich interessiert sind. Besonders geeignet ist es für Leser, die bereit sind, sich mit anspruchsvollen, teils fachlich komplexen Texten auseinanderzusetzen.

 

Was gibt es Kritisches?

  • Der Glaubensaspekt kommt insgesamt zu kurz; viele Kapitel könnten auch in einem rein politischen Sammelband stehen.
  • Manche Texte sind polemisch gefärbt oder überschneiden sich inhaltlich, was zu Redundanzen führt.
  • Der wissenschaftliche Stil erschwert Laien den Zugang; eine populärere Aufbereitung wäre hilfreich gewesen.

Was bleibt?

 

Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Pandemie, gerade weil es verschiedene Perspektiven zusammenführt. Es fordert Christen heraus, über Angst, Glauben und Mut neu nachzudenken und sich an Gottes Wort zu orientieren statt an Stimmungen oder Druck von außen. Auch wenn nicht alle Beiträge gleichermaßen überzeugen, bietet der Band wertvolle Impulse zur Selbstprüfung, zur kirchlichen Verantwortung und zum Schutz von Freiheit. Wer sich nicht scheut, kritisch und differenziert zu lesen, wird hier in Glauben und Denken herausgefordert und ermutigt, Christus über alle Krisen hinweg zu vertrauen.


Das Buch:

  • Seidel, Thomas A. / Kleinschmidt, Sebastian (Hrsg.) (2025): Angst, Glaube, Zivilcourage. Folgerungen aus der Corona-Krise. R. Brockhaus, 288 S., ISBN 9783417020694, 25,00 €

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