Höcke

Björn Höcke polarisiert wie kaum ein anderer Politiker Deutschlands. Frederik Schindler nimmt in seinem Buch „Höcke. Ein Rechtsextremist auf dem Weg zur Macht“ (Herder, 2024) den Werdegang, das Denken und die ideologische Einbettung des AfD-Politikers unter die Lupe. Das Buch will aufklären – und zugleich warnen. Es zeigt, wie politische Radikalisierung funktioniert, wie sie in familiären, gesellschaftlichen und parteilichen Strukturen weitergegeben wird und warum die demokratische Kultur in Deutschland dadurch herausgefordert ist.

 

Wer ist der Autor?
Frederik Schindler ist Journalist bei der Welt und bekannt für seine Recherchen zur AfD, zu rechtsextremen Netzwerken und deren Einfluss auf Politik und Gesellschaft. Er arbeitet investigativ, mit zahlreichen Gesprächen, Quellen und internen Analysen.

 

Worum geht’s?
Schindler beschreibt detailliert Björn Höckes Herkunft, seine Prägung als Sohn und Lehrer, seine familiäre Verwurzelung in konservativ-nationalen Milieus und seine politische Sozialisation. Ein zentrales Motiv: die Vorstellung eines „völkischen Sozialnationalismus“, in dem Familie, Volk und Nation untrennbar verbunden sind. Das Buch zeigt, wie Höcke persönliche Überzeugungen und politische Strategie zu einem geschlossenen Weltbild verknüpft – mit starken Bezügen zur sogenannten „Neuen Rechten“.

 

In den Kapiteln über Höckes Weg in die AfD wird deutlich, wie geschickt er Netzwerke aufbaut, Loyalität erzeugt und ideologisch beeinflusst. Schindler analysiert die Rolle seiner Weggefährten, die mediale Selbstinszenierung und den Versuch, rechtsextreme Begriffe gesellschaftsfähig zu machen. Besonders aufschlussreich sind die Kapitel zur „völkischen Antikapitalismuskritik“, die Schindler als populistisch und widersprüchlich entlarvt – eine Mischung aus linker Kapitalismuskritik und nationalistischer Volkstümelei.

 

Der Stil des Buches ist journalistisch, faktenreich und gut dokumentiert. Es liest sich weniger als politische Streitschrift, sondern als nüchterne, gut belegte Analyse. Trotzdem bleibt der Autor klar in seiner Bewertung: Er ordnet Höcke als rechtsextrem ein, zeigt ideologische Kontinuitäten und warnt vor der Normalisierung seiner Positionen.

 

Wer soll es lesen?
Das Buch richtet sich an alle, die politische Prozesse in Deutschland verstehen wollen – besonders Lehrer, Journalisten, Studierende und Christen, die politische Verantwortung reflektieren. Es ist auch für diejenigen hilfreich, die den geistigen und gesellschaftlichen Hintergrund der AfD sachlich erfassen wollen.

 

Was gibt es Kritisches?
Schindler schreibt klar, aber aus einer dezidiert liberal-demokratischen Perspektive. Geistliche oder weltanschauliche Wurzeln werden nicht theologisch reflektiert. Die biblische Sicht auf Autorität, Staat, Sünde und Erlösung bleibt völlig außen vor. Für Leser, die nach geistlicher Analyse und biblischer Orientierung suchen, bietet das Buch daher keinen tieferen Kompass – es bleibt auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene.

 

 

Was bleibt?
Schindlers Buch ist ein wachrüttelndes, gründlich recherchiertes Porträt eines Mannes, dessen Einfluss weit über seine Partei hinausreicht. Es zeigt die Macht der Ideologie, die Gefahr politischer Verführung und den Zerfall geistlicher Werte im öffentlichen Raum. Wer verstehen will, warum radikale Bewegungen in Deutschland wieder Resonanz finden, erhält hier eine klare, faktenbasierte Analyse. Es ist kein geistliches Buch – aber ein notwendiges, um den Zustand unserer Gesellschaft nüchtern einzuschätzen.


Das Buch:

  • Schindler, Frederik (2025): Höcke. Ein Rechtsextremist auf dem Weg zur Macht. Herder, 272 S., ISBN 978-3-451-07415-8, 22,00 €.

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