Diese Ausgabe der BasisBibel will niedrigschwellig sein, modern, nah an der Lebenswelt. Der Ansatz, die jüngere Generation mit kurzen Sätzen und klarer Sprache zu erreichen, ist nachvollziehbar und verdient an sich Anerkennung. Doch die Auswahl der 21 Personen und die theologischen Leitgedanken, die durch diese Themenwege transportiert werden, stellen die geistliche Integrität dieses Projekts massiv infrage. Man merkt schnell: Hier wird nicht die Schrift ausgelegt, sondern ein theologisches Klima geschaffen, das stark von progressiven, postmodernen und liberalen Strömungen geprägt ist.
1. Der Startschuss: Eine katholische Theologin mit Tattoo-Credo
Der erste Themenweg stammt von einer katholischen Theologin – und ihr Einstieg ist bezeichnend. Gleich zu Beginn rückt sie ihr Tattoo “trust the process” auf dem Unterarm ins Zentrum und nennt es ihr persönliches Glaubensbekenntnis. Kein Hinweis auf Christus, kein Einstieg über die Autorität der Heiligen Schrift, keine biblische Begründung. Stattdessen Selbsterfahrung und Prozessdenken.
Im Text wird dann offen Prozess-Theologie beworben – die Auffassung, Gott sei wandelbar, nicht allmächtig im klassischen Sinn, und reagierend auf menschliche Entwicklungen. Das ist theologisch weit jenseits biblischer Gotteslehre. Die Schrift bezeugt einen unveränderlichen, souveränen Gott. Hier jedoch wird ein Gottesbild präsentiert, das Gottes Souveränität relativiert und damit die Grundlage biblischen Glaubens aushöhlt.
2. Ein Pastor wirbt für Rauschmittel und ein Punker-Selbstbild
Besonders irritierend ist der Themenweg eines Pastors aus Bremerhaven, der sich als Punk bezeichnet, mit Alkoholglas abgebildet wird und gleich zu Beginn schreibt: “Christ:innen sind Kostverächter und leben am liebsten abstinent. Diesem Klischee muss ich als Punk widersprechen. [...] Ich kenne und liebe den Rausch.” Weiter später fährt er fort: "Und noch eine Enttäuschung: Meine persönliche Lieblingsstelle zum Thema hat es leider nur in die Apokryphen geschafft. In Jesus Sirach 31,28f steht sinngemäß: Ein leichter Rausch zur rechten Zeit im rechten Maße erfreut Herz und Seele. Zu viel jedoch sorgt für Ärger und Streit und macht die Seele bitter. Was meiner Meinung nach ein sehr weiser Umgang mit Alkohol ist."
Das ist nicht nur unpastoral, sondern verantwortungslos. Dieser Bibelleseplan dient nicht der Heiligung, nicht der Mahnung zur Nüchternheit, nicht der Orientierung an 1. Thessalonicher 5,6–8 oder Epheser 5,18. Stattdessen wird ein lässiges Verhältnis zu Rauschmitteln normalisiert. Der Ton ist bewusst unfromm, flapsig, provokant – fern jeder biblischen Nüchternheit.
Gravierend ist in seinem Leseplan „Jesus, der Säufer“, dass dort ohne Scheu Aussagen wiedergegeben werden, die den Sohn Gottes entehren und die Grenze zur Blasphemie überschreiten. Wörtlich heißt es: „Aber dann kommt Jesus, der Vielfraß und Säufer.“ Dazu folgt die Auslegung: „Spannend ist hier: Das ist ein externer Vorwurf, der sogar doppelt erwähnt wird (vgl. Mt. 11,19). Das hätte es sicher nicht in die Bibel geschafft, wenn es nicht gestimmt hätte. Jesus hat also gerne Wein getrunken. So gerne, dass ihn einige sogar als ‘Säufer’ bezeichnet haben.“
Hier wird ein äußerer Vorwurf von Gegnern Christi ohne jede biblische Einordnung übernommen, als wäre er eine historische Feststellung. Doch die Schrift macht klar, dass diese Anschuldigungen Teil der Feindseligkeit waren, die Jesus entgegenschlug. Der ewige, sündlose Sohn Gottes wird nicht durch die Worte seiner Verächter definiert. Wer den Spott der Widersacher unkritisch als „Beweis“ interpretiert, rückt Christus in ein Licht, das der Heilige Geist ausdrücklich nicht setzt. Die Bibel erwähnt die Anklage, um die Verblendung der Menschen zu zeigen – nicht, um sie zu bestätigen.
3. Feministische Gottesbilder und Genderideologie mitten in der Bibel
Mehrere der vorgestellten Autoren vertreten offen feministische oder queere Perspektiven. Eine Autorin nennt sich „feministische Christfluencerin“ und schreibt über ihren Weg zu einem feministischen Gottesbild. Das ist bereits die Prämisse ihres Bibelleseplans – nicht Schrift, sondern Selbstdefinition, denn viele meinen, sie "passe nicht rein in das Bild, das so viele Christ*innen haben".
Eine andere Autorin erklärt, wie sie sich als links-feministisch versteht und dass sie bewusst gegen klassische Gottesbilder anarbeitet. Dazu kommt die durchgängige Verwendung von Genderschreibweise (Formulierungen wie „Christ*innen“ oder „Christ:innen“, zudem ohne erkennbare Einheitlichkeit), die ein ideologisches Weltbild transportiert, das mit der wörtlich-grammatisch-historischen Bibelauslegung nicht vereinbar ist.
Diese Bibel soll Menschen helfen, Gottes Wort besser zu verstehen. Stattdessen wird die Bibel instrumentalisiert, um moderne Ideologien unter frommer Flagge einzuschleusen.
4. Sexualität und Identität: Türöffner für progressive Theologie
Unter der Überschrift „Alle gleich. Voll verschieden. Voll geliebt.“ werden Bibeltexte wie Galater 3,28 und 2. Samuel 1,26 so gedeutet, dass sie eine Öffnung hin zu queeren Lesarten vorbereiten. Die Fragen lauten etwa: “Wo hast du schon erlebt: Ich darf einfach ich sein, ohne Schublade?”
In dem begleitenden Text heißt es: „Paulus schreibt von einem Gott, der jenseits von Schubladen denkt, weder weiblich noch männlich.“ Das ist weder sauber exegesiert noch theologisch verantwortungsvoll. Es werden moderne Identitätskonzepte über den Text gelegt. Die Andeutung, Davids Liebe zu Jonathan könne ein Modell jenseits der Schöpfungsordnung sein, ist exegetisch haltlos und Ausdruck progressiver Agenda.
5. Der Übersetzungsansatz der BasisBibel – Licht und Schatten
Die Grundidee der BasisBibel – kurze Sätze, klare Struktur, leicht zu lesen – ist für Einsteiger hilfreich. Es ist sinnvoll, Jugendlichen eine zugängliche Form zu bieten. Problematisch wird es dort, wo Verständlichkeit über inhaltliche Treue gestellt wird. Besonders gravierend ist Johannes 1,1. Die BasisBibel formuliert: „Von Anfang an gab es das Wort. Das Wort gehörte zu Gott, und es war Gott in allem gleich.“ Johannes 1,1 ist eine der theologisch dichtesten Aussagen des gesamten Neuen Testaments. Der griechische Urtext lautet:
Ἐν ἀρχῇ ἦν ὁ λόγος,
καὶ ὁ λόγος ἦν πρὸς τὸν θεόν,
καὶ θεὸς ἦν ὁ λόγος.
Es gibt drei klare Aussagen:
- Der Logos war von Ewigkeit her.
(Ἐν ἀρχῇ ἦν – „war“, nicht „entstand“, nicht „entwickelte sich“.) - Der Logos war bei Gott.
(πρὸς τὸν θεόν – persönliche, unterscheidbare Gemeinschaft.) - Der Logos war Gott.
(θεὸς ἦν ὁ λόγος – Prädikatsnomen ohne Artikel betont die Wesensidentität, nicht Gleichheit der Funktion.)
Johannes drückt damit aus, dass der Logos vollumfänglich Gott ist, wesenseins mit dem Vater, ewig, unveränderlich, schöpferisch, göttlich in Natur und Sein. Die BasisBibel macht daraus: „Von Anfang an gab es das Wort. Das Wort gehörte zu Gott, und es war Gott in allem gleich.“ Diese Formulierung ist theologisch entkernt:
1. „Von Anfang an gab es das Wort“
Das griechische ἦν („war“) betont Sein, Ewigkeit, Präsenz – kein Werden. „Gab es“ klingt dagegen wie „es existierte halt“ – neutral,
ohne die ontologische Tiefe des Urtextes.
2. „Das Wort gehörte zu Gott“
πρὸς τὸν θεόν bedeutet nicht Zugehörigkeit, sondern persönliche
Gegenüberstellung. „Gehörte zu“ erschafft eine Kategorie-Abhängigkeit – als wäre der Logos Teilmenge Gottes, aber nicht selbst Gott.
3. „Und es war Gott in allem gleich“
Das ist der schwerste Eingriff. Johannes sagt ausdrücklich: „der Logos war Gott“.
Die BasisBibel macht daraus: „Gott in allem gleich“ – also nicht Gott, sondern gleich wie Gott. Das ist ein kategorialer Bruch. Es ist exakt die Formulierungsebene, die man erwarten würde, wenn man die Gottheit Christi relativieren möchte, ohne sie offen zu leugnen. Grammatisch-exegetisch ist „in allem gleich“ eine funktionale Vergleichsaussage, keine ontologische Identitätsaussage. Sie verschiebt den Fokus von „Wesenseinheit“ hin zu „Ähnlichkeit“ – ein völliger Bruch mit der intendierten Bedeutung des griechischen Textes.
Damit entsteht eine gefährliche Entfremdung: Nicht mehr das klare Bekenntnis „Jesus ist Gott“, sondern: „Jesus ist Gott ziemlich ähnlich“. Der Unterschied ist gewaltig. Es ist die differenzierende Linie zwischen biblischem Christentum und Arianismus, zwischen historischer Christologie und moderner liberaler Theologie. Die BasisBibel bricht hier die Christologie auf, indem sie die ontologische Aussage abschwächt und eine semantische Grauzone schafft. Der Leser bekommt nicht die kraftvolle, klare Offenbarung des Johannes, sondern eine weichgespülte, entkernte Variante, die den Kern des Verses verwässert. Damit wird der klare Satz „das Wort war Gott“ aufgeweicht. „Gott in allem gleich“ ist nicht die Aussage des griechischen Textes. Der Begriff „wesensgleich“ aus Hebräer 1,3 zeigt die richtige Richtung – aber Johannes 1,1 spricht ausdrücklich von Identität, nicht bloßer Ähnlichkeit. Hier wird die Gottheit Jesu mindestens abgeschwächt, wenn nicht verschleiert. Das ist eine theologische Katastrophe, denn Johannes 1 ist ein tragender Grundpfeiler der Christologie.
6. Gesamturteil: Gute Absicht, gefährliche Inhalte
Diese Ausgabe transportiert nicht die Autorität der Schrift, sondern die Persönlichkeit und Ideologie der Autoren. Statt biblischer Klarheit bekommt der Leser:
- feministische Gottesbilder
- Genderideologie
- postmoderne Selbstverortung
- Prozess-Theologie
- verharmloste Rauschmittelkultur
- suggestive Lesarten zu Sexualität und Identität
- theologische Unverbindlichkeit
- flapsige Sprache statt Ehrfurcht
Das Ergebnis ist nicht geistliche Orientierung, sondern Verwirrung. Die Bibel wird zu einem Begleitbuch für persönliche Erfahrungen umgedeutet. Damit verfehlt das Projekt seinen Auftrag vollständig. Wer jungen Christen helfen will, Gottes Wort zu verstehen, muss ihnen die Bibel erklären – nicht zeitgeistige Experimente. Diese Ausgabe der BasisBibel ist inhaltlich so stark von progressiven Strömungen geprägt, dass sie ihr Ziel verfehlt und eher schadet als dient. Geistlich verantwortungsbewusste Leiter sollten sie nicht empfehlen. Ein klarer, bibeltreuer Zugang ist nötig, der Gott verherrlicht, nicht den Menschen. Aufgrund dieser Aspekte, wird vom Kauf dieser Ausgabe abgeraten!
Die Bibel:
- Deutsche Bibelgesellschaft (2024): BasisBibel. Themenwege. Deutsche Bibelgesellschaft, 1968 S., ISBN 978-3-438-00905-0, 36,00 €.
erhältst du hier.
