Und morgen Ewigkeit

„Und morgen Ewigkeit“ von Martin Flemming ist kein theoretisches Buch über Leid, sondern ein persönlicher, schonungslos ehrlicher Bericht aus dem Innersten eines Mannes, der seine Frau verliert. Es geht um Krankheit, Sterben, Abschied und die Frage, ob der christliche Glaube im Angesicht des Todes trägt oder zerbricht. Das Buch fordert heraus, weil es Leid nicht umgeht, sondern frontal aushält.

 

Wer ist der Autor?
Martin Flemming ist Christ, Ehemann und Vater, kein Theologe im akademischen Sinn. Er schreibt als Betroffener, nicht als Beobachter. Gerade diese Perspektive verleiht dem Buch seine Authentizität. Flemming erhebt keinen Anspruch auf systematische Theologie, sondern bezeugt, was ihn im Leid getragen hat.

 

Worum geht’s?
Das Buch ist tagebuchartig aufgebaut und folgt chronologisch dem gemeinsamen Weg von Martin und Irina Flemming. Beginnend mit dem Kennenlernen und der Ehe beschreibt Flemming sehr konkret den Einbruch der Krankheit in ein normales Leben: Diagnosen, Krankenhausaufenthalte, Operationen, Therapien, Rückschläge und immer wieder neue Entscheidungen unter Zeitdruck. Der Leser wird hineingenommen in den medizinischen Alltag, in Wartezimmer, Gespräche mit Ärzten, Hoffnungsschimmer und enttäuschte Erwartungen.

 

Zentral ist dabei nicht die Krankheit selbst, sondern die geistliche Auseinandersetzung mit ihr. Flemming verschweigt weder Angst noch Erschöpfung, weder Zweifel noch Ohnmacht. Er beschreibt die Last der Verantwortung als Ehemann, die Hilflosigkeit angesichts des Leidens seiner Frau und die ständige Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens. Gerade hier gewinnt das Buch seine Tiefe: Leid wird nicht verklärt, Gebet nicht idealisiert, Glauben nicht romantisiert.

 

Immer wieder führt der Text bewusst zurück zur Schrift. Bibelworte werden nicht als Trostpflaster benutzt, sondern als tragfähiger Grund, an dem sich Denken und Hoffen ausrichten müssen. Das Kreuz Christi steht dabei im Zentrum: Nicht als Erklärung des Leids, sondern als Ort, an dem Gott selbst Leid getragen hat. Daraus entfaltet sich konsequent die Ewigkeitsperspektive, die dem Sterben seine letzte Macht nimmt, ohne den Schmerz des Abschieds zu relativieren. Nach dem Tod seiner Frau endet das Buch nicht abrupt. Flemming beschreibt das Weiterleben mit der Leere, die Trauer, das Alleinsein und zugleich die nüchterne Hoffnung auf die Auferstehung.

 

Stilistisch bleibt das Buch durchgehend schlicht, direkt und persönlich. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Text Glaubwürdigkeit. Es lebt von der Spannung zwischen menschlicher Zerbrechlichkeit und der Verlässlichkeit Gottes, die nicht im Gefühl, sondern in Gottes Zusagen gründet.

 

Wer soll es lesen?
Das Buch richtet sich an Christen, die Leid nicht theoretisch diskutieren, sondern real durchleben oder sich darauf vorbereiten wollen. Besonders Eheleute, Seelsorger und Menschen in Krankheit oder Trauer werden hier verstanden. Auch Skeptiker können einen ehrlichen Einblick in gelebten Glauben gewinnen.

 

Was gibt es Kritisches?
Das Buch ist bewusst subjektiv. Wer eine systematische Aufarbeitung von Theodizee oder eine ausführliche dogmatische Einordnung erwartet, wird sie nicht finden. An manchen Stellen steht das Erleben stärker im Vordergrund als eine explizite biblische Auslegung, auch wenn die Grundhaltung klar schriftgebunden bleibt.

 

Wie kann ich das Werk nutzen?
Als Begleiter in Leidenszeiten, als Seelsorgelektüre oder als Gesprächsgrundlage in Ehe und Gemeinde. Das Buch eignet sich auch, um Christen wachzurütteln, die Leid eher aus der Distanz betrachten. Es zwingt dazu, die eigene Hoffnung ehrlich zu prüfen.

 

Was bleibt?
„Und morgen Ewigkeit“ zeigt, dass echter Glaube nicht vor Leid schützt, aber im Leid trägt. Es verherrlicht den Schmerz nicht, sondern richtet den Blick konsequent auf Christus und die kommende Herrlichkeit. Das Buch macht deutlich: Trost liegt nicht im Warum, sondern im Wem. Wer dieses Buch liest, wird ernster, nüchterner und hoffentlich tiefer auf die Ewigkeit ausgerichtet.


Das Buch:

  • Flemming, Martin (2024): Und morgen Ewigkeit. Abschied von meiner Frau. Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 240 S., ISBN 978-3-86353-976-4, 17,90  €. 

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