Jesus Christus - Gott und Mensch

Der Sammelband „Jesus Christus – Gott und Mensch. Christologie für heute“, herausgegeben von Herbert Haslinger, will die Bedeutung Jesu für den gegenwärtigen theologischen Diskurs erschließen. Das Buch versammelt Beiträge verschiedener katholischer Theologen aus Exegese, Dogmatik, Praktischer Theologie und Ethik. Die leitende Frage lautet: Wie kann und soll heute von Jesus Christus gesprochen werden?

 

Wer ist der Autor?
Herbert Haslinger ist katholischer Theologe und Professor für Pastoraltheologie, Homiletik und Religionspädagogik in Paderborn. Als Herausgeber verantwortet er Konzeption und thematische Ausrichtung des Bandes. Die Mitwirkenden stammen überwiegend aus universitären Kontexten der katholischen Theologie.

 

Worum geht’s?
Der Band ist thematisch breit angelegt. Nach einer Einführung folgen Beiträge zu neutestamentlichen Perspektiven, fundamentalthologischen Fragestellungen, dogmatischen Neuakzentuierungen, praktisch-theologischen Überlegungen und ethischen Konsequenzen.

 

Mehrere Aufsätze greifen klassische christologische Themen auf: Gottessohnschaft, Menschensohn-Titel, Verhältnis von historischem Jesus und Christus des Glaubens, Rezeption des nizänischen Bekenntnisses. Dabei wird häufig mit historisch-kritischen Methoden gearbeitet. Die Evangelien erscheinen nicht primär als zuverlässige Offenbarungszeugnisse, sondern als theologisch geprägte Gemeindetraditionen.

 

Charakteristisch ist der Versuch, Christologie „anschlussfähig“ zu formulieren. Dogmatische Festlegungen werden teilweise als symbolische Deutungen verstanden, die neu interpretiert werden müssen. Jesus wird stark unter dem Aspekt seines Wirkens, seines Vorbildcharakters und seiner ethischen Impulse betrachtet.

 

Stilistisch bewegen sich die Beiträge auf akademischem Niveau. Der Leser begegnet dichter Argumentation, Fachterminologie und intensiver Bezugnahme auf moderne Theoriebildung. Für theologisch geschulte Leser ist das anregend, für Laien eher anspruchsvoll.

 

Wer soll es lesen?
Das Buch richtet sich vor allem an Theologiestudenten, Religionslehrer und kirchlich Mitarbeiter, die sich mit zeitgenössischer katholischer Christologie befassen wollen. Für Leser, die eine klare biblisch-konfessionelle Orientierung suchen, ist die Lektüre herausfordernd.

 

Was gibt es Kritisches?
Aus evangelikal-bibeltreuer Sicht ist die Grundtendenz problematisch. Die historisch-kritische Prämisse relativiert die Verlässlichkeit der Evangelien. Wenn zentrale Aussagen über Jesus primär als nachösterliche Gemeindekonstruktionen verstanden werden, gerät die Autorität der Schrift ins Wanken.

 

Die Behandlung der Dogmen, insbesondere von Nizäa, bewegt sich teils in Richtung funktionaler oder symbolischer Deutung. Dadurch droht die ontologische Wahrheit der Gottessohnschaft Christi abgeschwächt zu werden. Christologie wird nicht konsequent von der Selbstoffenbarung Gottes in der Schrift her entwickelt, sondern stark von gegenwärtigen Denkmodellen.

 

Auch die Akzentverschiebung hin zu Ethik und Vorbild kann eine Schieflage erzeugen. Jesus ist nicht zuerst moralischer Impulsgeber, sondern der fleischgewordene Sohn Gottes, der stellvertretend für Sünder starb und leiblich auferstand.

 

Wie kann ich das Werk nutzen?
Trotz deutlicher Differenzen kann der Band gewinnbringend gelesen werden. Er bietet Einblick in aktuelle katholische Diskussionslinien und zeigt, welche Fragen und Spannungsfelder gegenwärtig verhandelt werden. Für den bibelzentrierten Leser eignet sich das Buch als Trainingsfeld zur apologetischen und theologischen Schärfung. Die Lektüre zwingt dazu, die eigene Christologie bewusst an der Schrift zu prüfen, zentrale Dogmen neu zu durchdenken und die Tragfähigkeit historisch-kritischer Ansätze kritisch zu bewerten.

 

Was bleibt?
Der Sammelband dokumentiert ernsthafte Bemühungen, Jesus Christus im heutigen Kontext zur Sprache zu bringen. Er enthält gedanklich anregende, teils herausfordernde Beiträge. Gleichzeitig offenbart er die Spannung zwischen kirchlicher Tradition, moderner Methodik und biblischem Offenbarungsanspruch. Wer fest auf der Autorität der Schrift steht, wird nicht allem zustimmen können. Doch gerade darin liegt ein Nutzen: Die Auseinandersetzung schärft den Blick für das, was im Zentrum bleiben muss – Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch, offenbart im unfehlbaren Wort Gottes.


Das Buch:

  • Haslinger, Herbert (Hg.) (2025): Jesus Christus – Gott und Mensch. Christologie für heute. Herder, 400 S., ISBN 978-3-451-02498-6, Preis: 38,00 €.

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