Theology for future

Der Sammelband Theology for Future, herausgegeben von Thomas Laubach, Konstantin Lindner und Simon Steinberger, will die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN theologisch reflektieren. Das Thema ist hochaktuell: Verantwortung für die Schöpfung, Gerechtigkeit, Armut, Umwelt und gesellschaftliche Entwicklung beschäftigen auch Christen. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wird hier von der Schrift her gedacht – oder wird Theologie zum Begleitprogramm politischer Leitnarrative?

 

Wer sind die Herausgeber?

Die Herausgeber sind etablierte Vertreter universitärer Theologie und Religionspädagogik. Ihre Arbeit bewegt sich im Kontext gegenwärtiger sozialethischer und kulturtheologischer Diskurse. Entsprechend prägt ein stark gesellschaftspolitischer Fokus die Auswahl der Themen und Beiträge.

 

Worum geht’s?

Der Band arbeitet die einzelnen Sustainable Development Goals (SDGs) nacheinander ab. Themen wie Armut, Hunger, Bildung, Gleichstellung, Energie, Konsum, Klima, Biodiversität und globale Partnerschaften werden aus theologischer Perspektive beleuchtet.

 

Der Anspruch ist klar: Christlicher Glaube soll als Ressource für nachhaltige Transformation fruchtbar gemacht werden. Viele Beiträge argumentieren engagiert, sprachlich differenziert und akademisch versiert. Stilistisch bewegt sich das Werk im Feld moderner Sozialethik mit interdisziplinären Bezügen.

 

Problematisch ist jedoch die Richtung der Argumentation. Häufig bilden die UN-Ziele den normativen Horizont, während biblische Texte funktional zur Unterstützung herangezogen werden. Damit verschiebt sich der Maßstab: Nicht mehr die Offenbarung beurteilt gesellschaftliche Programme, sondern Programme strukturieren die theologische Reflexion.

 

Besonders deutlich wird diese Spannung in Bereichen wie:

– Anthropologie und Geschlechterverständnis
– Klimawandel und ökologische Krisendeutung
– Moralische Bewertung wirtschaftlicher Strukturen

Hier zeigt sich eine erkennbare Nähe zu dominierenden kulturellen Diskursen.

 

Wer soll es lesen?

Das Buch richtet sich vor allem an Leser mit Interesse an Sozialethik, Religionspädagogik und öffentlicher Theologie. Für akademische Kontexte und Diskussionen über kirchliche Zeitströmungen bietet der Band reichlich Material.

 

Was gibt es Kritisches?

Aus evangelikal-bibeltreuer Sicht ergeben sich mehrere Einwände:

  • Erstens: Die normative Rolle der Schrift bleibt oft unscharf. Theologie erscheint streckenweise als Interpretationsrahmen gesellschaftlicher Agenden, nicht als deren Korrektiv.
  • Zweitens: Das Genderkapitel entfernt sich deutlich von der biblischen Schöpfungsordnung. Die Zweigeschlechtlichkeit wird relativiert, Identität stark subjektiviert. Das steht im Spannungsverhältnis zu 1Mo 1,27 und der gesamten biblischen Anthropologie.
  • Drittens: Der Klimadiskurs wird kaum differenziert. Der Ton ist teilweise alarmistisch und moralisch aufgeladen. Alternative Perspektiven oder kritische Rückfragen bleiben randständig. Verantwortung wird so leicht mit Aktivismus verwechselt.
  • Viertens: Der Band zeigt eine klare politische Schlagseite. Gesellschaftliche Transformation erscheint überwiegend im Deutungsrahmen gegenwärtiger progressiver Leitideen.

Diese Punkte sind keine Nebensächlichkeiten, sondern betreffen zentrale Grundlagen christlicher Ethik.

 

Wie kann ich das Werk nutzen?

Das Buch eignet sich gut als Analyseinstrument. Wer verstehen will, wie gegenwärtige Theologie gesellschaftliche Programme integriert, findet hier ein aufschlussreiches Beispiel. Für Lehrveranstaltungen, Diskussionen über Zeitgeist, Hermeneutik und Ethik bietet der Band wertvolle Gesprächsanlässe. Als geistliche Orientierung sollte er jedoch kritisch gelesen und konsequent an der Schrift geprüft werden.

 

Was bleibt?

Der Sammelband zeigt eindrücklich, wie stark Theologie heute unter kulturellem Anpassungsdruck steht. Das Anliegen, Verantwortung für Welt und Mitmenschen zu betonen, ist grundsätzlich richtig. Entscheidend bleibt jedoch die Reihenfolge: Gottes Wort richtet unser Denken, nicht globale Programme. Wer das Buch mit klarem biblischem Maßstab liest, gewinnt eine geschärfte Wahrnehmung für aktuelle Entwicklungen. Gerade die Spannungen können helfen, die eigene Position bewusster, schriftgebundener und theologischer zu klären. 


Das Buch:

  • Laubach, Thomas / Lindner, Konstantin / Steinberger, Simon (Hg.) (2024): Theology for Future. Die 17 Ziele der UN für nachhaltige Entwicklung theologisch reflektiert. Herder, 296 S., ISBN 978-3-451-39717-2, Preis 42,00 €.

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