Mit „Sexfrei“ von Andrea Hansen liegt ein Buch vor, das sich intensiv mit weiblicher Sexualität, Scham, Körperwahrnehmung und Beziehung beschäftigt. Es will insbesondere Frauen helfen, einen entspannten, „gesunden“ Zugang zu ihrer Sexualität zu entwickeln. Damit greift es ein reales Problem auf: Viele Christen haben Unsicherheiten, Prägungen oder Frustrationen in diesem Bereich. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob die angebotenen Antworten wirklich biblisch tragfähig sind.
Wer ist die Autorin?
Andrea Hansen ist selbstständige Paar- und Sexualberaterin. Ihr Fokus liegt darauf, wie Christen ihren Glauben mit persönlichem Wohlbefinden, Leichtigkeit und emotionaler Gesundheit verbinden
können. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern im Frankenwald. Ihre Prägung ist klar therapeutisch und beratungsorientiert, weniger bibeltheologisch.
Worum geht’s?
Das Buch ist thematisch gegliedert und verfolgt einen stark praxisorientierten Ansatz. Besonders der erste Teil, der sich mit der „crux der weiblichen Lust“ beschäftigt, bietet durchaus
hilfreiche Einblicke. Die Autorin beschreibt nachvollziehbar, warum viele Frauen im Bereich Sexualität Frustration erleben. Diese Beobachtungen können auch Männern helfen, ihre Frauen besser zu
verstehen und sensibler mit Spannungen umzugehen.
Im weiteren Verlauf arbeitet Hansen mit zahlreichen Übungen. Diese reichen von körperbezogenen Ansätzen bis hin zu Wahrnehmungsübungen. Während einige davon praktisch erscheinen, bewegen sich andere in Richtung innerer Achtsamkeits- und Selbstwahrnehmungstechniken, die teilweise an esoterisch geprägte Methoden erinnern.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die sogenannten „fünf Game Changer“. Auch hier liefert das Buch Denkanstöße und praktische Impulse. Allerdings bleibt die Perspektive durchgehend auf das eigene Erleben, die persönliche Entwicklung und das individuelle Lustempfinden ausgerichtet. Der Ansatz ist insgesamt klar anthropozentrisch.
Wer soll es lesen?
Vor allem Frauen, die mit Scham, Unsicherheit oder Frustration im Bereich Sexualität kämpfen. Auch Männer können einzelne Erkenntnisse nutzen, um ihre Frauen besser zu verstehen.
Was gibt es Kritisches?
Die Schwächen des Buches sind grundlegend und betreffen die theologische Basis:
- Erstens fehlt eine tiefgehende biblische Fundierung. Gott, Sünde, Heiligung und göttliche Ordnung werden kaum berücksichtigt. Sexualität wird primär therapeutisch und subjektiv behandelt.
- Zweitens werden einzelne Bibelstellen funktionalisiert. So wird Galater 3,28 herangezogen, um geschlechtsspezifische Unterschiede zu relativieren. Das widerspricht der klaren biblischen Lehre zur Ergänzung von Mann und Frau.
- Drittens werden konservative Rollenbilder kritisch dargestellt. Aussagen, dass eine Frau, die sich als unterstützend versteht, nicht „für ihre Grenzen kämpfen“ könne, stehen in Spannung zur biblischen Sicht von Ehe und Ordnung.
- Viertens positioniert sich die Autorin deutlich gegen sogenannte „Purity Culture“ und konservative Sexualethik. Zwar ist es richtig, unbiblische Körperfeindlichkeit abzulehnen, doch wird hier häufig nicht sauber zwischen falscher Gesetzlichkeit und biblischer Heiligkeit unterschieden.
- Fünftens ist der offene Umgang mit Selbstbefriedigung theologisch problematisch, da er nicht klar an der Schrift geprüft wird. Ebenso kritisch ist die Bezugnahme auf Studien und Modelle, die mehrere Sexualpartner voraussetzen oder positiv darstellen.
- Sechstens wird u. a. auf die „Empirica Sexualstudie“ zurückgegriffen, die selbst von fragwürdigen Grundannahmen geprägt ist und eher postevangelikale Denkweisen widerspiegelt.
Insgesamt ist der Ansatz stark ich-zentriert: Bedürfnisse, Grenzen und persönliches Erleben stehen im Mittelpunkt. Die Frage nach Gottes Willen tritt in den Hintergrund.
Wie kann ich das Werk nutzen?
Das Buch kann punktuell gelesen werden, um Einblicke in weibliche Wahrnehmung und Frustration zu gewinnen. Einzelne Gedanken zur Kommunikation und Sensibilität in der Ehe können hilfreich
sein. Es ist jedoch zwingend notwendig, alles konsequent am Wort Gottes zu prüfen. Als Grundlage für Lehre oder Seelsorge ist das Buch nicht geeignet.
Was bleibt?
Das Buch benennt ein echtes Problem, liefert aber keine tragfähige geistliche Lösung. Es hilft, Dynamiken zu verstehen, verfehlt jedoch den entscheidenden Punkt: Sexualität kann nur
dann gesund gelebt werden, wenn sie in Gottes Ordnung eingebettet ist. Wahre Freiheit entsteht nicht durch Selbstfokussierung, sondern durch Ausrichtung auf Christus. Nur dort wird
Sexualität weder unterdrückt noch überhöht, sondern als gute Gabe Gottes richtig eingeordnet. Obwohl das Buch stellenweise informative Inhalte bietet, bleibt es theologisch schwach. Eine
klare Kaufempfehlung kann daher nicht gegeben werden, da die vermittelten Inhalte weitgehend losgelöst von Gottes Wort stehen und so eine subjektive Ausrichtung der Sexualität begünstigen.
Das Buch:
- Hansen, Andrea (2026): Sexfrei. R. Brockhaus, 304 S., ISBN 978-3-41701-064-0, Preis: 20,00 €
erhältst du hier.
