Lieber Gott, danke für die Gebete, die Du nicht erhört hast

Warum erhört Gott manche Gebete nicht? Weshalb bleiben Bitten um Bewahrung, Heilung, Erfolg oder Befreiung manchmal scheinbar unbeantwortet? Diese Fragen beschäftigen Christen seit Jahrhunderten. Arno Froese und Dieter Steiger greifen sie in ihrem Buch Lieber Gott, danke für die Gebete, die Du nicht erhört hast auf und zeigen anhand zahlreicher biblischer Personen, dass Gottes Nichterhören oft Ausdruck seiner Weisheit, Liebe und souveränen Führung ist.

Wer sind die Autoren?

Arno Froese ist langjähriger Leiter des Mitternachtsrufs und international als Bibellehrer bekannt. Dieter Steiger war viele Jahre mit dem Mitternachtsruf verbunden und widmete sich besonders der bibelorientierten Verkündigung. Beide Autoren vertreten eine konservative, heilsgeschichtlich geprägte Auslegung der Schrift.

 

Worum geht’s?

Das Buch verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Es behandelt das Gebet nicht primär unter der Frage, wie Gott Gebete erhört, sondern warum Gott manche Bitten bewusst nicht erfüllt. Die Autoren zeigen anhand zahlreicher biblischer Personen, dass Gottes „Nein“ oft ebenso Ausdruck seiner Liebe und Weisheit ist wie sein „Ja“. 

 

Die Kapitel führen durch das Leben zentraler Gestalten der Heilsgeschichte. Christus steht am Anfang als höchstes Vorbild vollkommenen Gehorsams. Im Garten Gethsemane betete er nicht auf Selbstverwirklichung hin, sondern unterstellte sich dem Willen des Vaters. Von dort aus entfalten die Autoren ihre Grundthese: Wahres Gebet sucht nicht zuerst die Erfüllung eigener Wünsche, sondern die Erkenntnis und Ausführung von Gottes Willen. 

 

Anhand von Petrus wird gezeigt, wie Gott Gebete manchmal anders beantwortet als erwartet und Menschen durch Niederlagen, Korrektur und Wartezeiten formt. Mose verdeutlicht, dass menschliche Schwäche kein Hindernis für Gottes Wirken ist und dass Gottes Wege häufig anders verlaufen als unsere Pläne. Bei Hiob steht die Frage nach Leid, Gottes Schweigen und Vertrauen im Mittelpunkt. Jona illustriert eindrücklich, wie Gott Gebete zwar erhören kann, der Mensch aber dennoch gegen Gottes Absichten kämpfen kann. Elia zeigt den Gegensatz zwischen wahrem Glauben und falscher Religion sowie die Kraft eines Gebets, das auf Gottes Ehre ausgerichtet ist.

Besonders eindrücklich sind die Kapitel über David und Paulus. David lernt in Verfolgung, Enttäuschung und Leid, Gott auch dann zu vertrauen, wenn die erbetene Befreiung ausbleibt. Paulus wiederum macht deutlich, dass Nachfolge nicht auf Erfolg, Wohlstand oder Leidfreiheit ausgerichtet ist. Die Autoren betonen anhand seiner Briefe, dass christliches Leben Kreuzesnachfolge bedeutet und dass Gott Leiden gebraucht, um seine Kinder Christus ähnlicher zu machen. 

 

Ein wiederkehrendes Motiv des Buches ist die Spannung zwischen menschlichen Wünschen und göttlicher Souveränität. Die Autoren wenden sich gegen ein erfolgsorientiertes Christentum, das Gottes Segen vor allem in Gesundheit, Wohlstand oder problemlosen Lebensumständen sucht. Stattdessen zeigen sie, dass Gottes Ziele oft tiefer reichen: Heiligung, Glaubenswachstum, Demut, Abhängigkeit und die Ausrichtung auf die ewige Herrlichkeit. 

 

Der Stil ist einfach, verständlich und seelsorgerlich. Zahlreiche Bibelstellen und praktische Anwendungen machen das Buch gut zugänglich. Es richtet den Blick konsequent auf Gottes Charakter und erinnert daran, dass Gottes Weisheit weit über das hinausgeht, was der Mensch in einer konkreten Situation erkennen kann. Die zentrale Botschaft lautet: Nicht erhörte Gebete sind kein Zeichen von Gottes Ferne, sondern können ein Ausdruck seiner fürsorglichen Führung sein. Gerade in Leid, Wartezeiten und Enttäuschungen erweist sich Gottes souveräne Liebe oft am deutlichsten.

Wer soll es lesen?

Das Buch eignet sich besonders für Christen, die mit Enttäuschungen, Leidenszeiten oder unerfüllten Erwartungen kämpfen. Auch Seelsorger, Hauskreisleiter und Prediger finden zahlreiche hilfreiche Beispiele für Gespräche und Verkündigung.

Was gibt es Kritisches?

An manchen Stellen bleiben die Anwendungen recht knapp und könnten noch stärker exegetisch begründet werden. Zudem werden einzelne Themen eher andächtig als ausführlich theologisiert. Wer eine tiefgehende Abhandlung über Gebetstheologie erwartet, wird hier nicht alle Fragen beantwortet finden.

Wie kann ich das Werk nutzen?

Das Buch eignet sich hervorragend für die persönliche Stille Zeit, als Andachtslektüre oder zur Begleitung von Christen in Krisensituationen. Die kurzen Kapitel ermöglichen es, einzelne Lebensbilder gezielt zu lesen und über Gottes Handeln nachzudenken.

Was bleibt?

Das Buch erinnert eindrücklich daran, dass Gottes Weisheit größer ist als unsere Wünsche. Nicht jedes unerhörte Gebet ist ein Zeichen von Gottes Ferne; oftmals ist es Ausdruck seiner Fürsorge. Die Autoren lenken den Blick weg von der eigenen Erwartung hin zum Vertrauen auf Gottes vollkommenen Plan. Wer lernt, auch hinter einem göttlichen „Nein“ die Hand seines Herrn zu sehen, gewinnt Frieden und neue Zuversicht.


Das Buch:

  • Froese, Arno / Steiger, Dieter (2015): Lieber Gott, danke für die Gebete, die Du nicht erhört hast. Verlag Mitternachtsruf, 183 S., ISBN 978-3-85810-057-3, Preis: 3,00 €

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