Der verborgene Schatz

Kinder brauchen mehr als einzelne Bibelgeschichten. Sie brauchen den roten Faden der Heilsgeschichte. Genau hier setzt Marty Machowski mit Der verborgene Schatz an. Das Buch möchte Kindern nicht nur bekannte Ereignisse aus dem Leben Jesu näherbringen, sondern sie entdecken lassen, dass das Lukas-Evangelium und die Apostelgeschichte eine zusammenhängende Geschichte von Gottes Rettungsplan erzählen. Dabei verbindet der Autor biblische Lehre mit einer spannenden Rahmenerzählung und lädt Familien ein, gemeinsam in Gottes Wort einzutauchen.

 

 

Bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, dass dieses Buch nicht als Ersatz für die Bibel gedacht ist. Vielmehr soll es gemeinsam mit dem Lukasevangelium und der Apostelgeschichte gelesen werden. Die Kinder lesen zunächst den Bibeltext und anschließend die erklärende Geschichte. Das Ziel besteht darin, Gott besser kennenzulernen, die Zusammenhänge der Heilsgeschichte zu verstehen und das Wort Gottes im Alltag anzuwenden. 

 

Wer ist der Autor?

Marty Machowski ist Pastor, Familienseelsorger und Autor zahlreicher Kinder- und Familienbücher. Sein besonderes Anliegen besteht darin, Kindern nicht lediglich moralische Lektionen zu vermitteln, sondern ihnen die gesamte Heilsgeschichte der Bibel aufzuzeigen. Seine Werke sind geprägt von einer christuszentrierten Auslegung und verfolgen das Ziel, Eltern und Gemeinden darin zu unterstützen, Kinder mit dem Evangelium vertraut zu machen. Bekannt wurde er unter anderem durch Long Story Short, Old Story New und The Ology. Mit Der verborgene Schatz knüpft er an dieses Anliegen an und führt junge Leser durch das Lukas-Evangelium und die Apostelgeschichte.

Worum geht es?

Das Buch besteht aus zwei großen Teilen. Der erste führt durch das Lukasevangelium, der zweite durch die Apostelgeschichte. Beide werden nicht isoliert behandelt, sondern als zusammengehörendes Werk verstanden, das Gottes Rettungsplan entfaltet. Genau diese Verbindung stellt der Autor bereits in der Einleitung heraus.

Die biblischen Abschnitte werden durch eine fortlaufende Abenteuergeschichte miteinander verbunden. Die Geschwister Theo, Mira und Lydia entdecken auf der griechischen Insel Naxos einen geheimnisvollen Krug. Dieser Fund entwickelt sich zu einer spannenden Schatzsuche, bei der nach und nach Hinweise entdeckt werden. Die erzählte Handlung bildet jedoch nie den Mittelpunkt. Sie dient vielmehr als Rahmen, um die Kinder immer wieder zurück zum biblischen Text zu führen.

 

Besonders gelungen ist die Struktur. Jeder Abschnitt beginnt mit einer konkreten Bibelstelle aus Lukas oder der Apostelgeschichte und greift anschließend deren zentrale Aussagen kindgerecht auf. Dabei erklärt Machowski nicht nur historische Ereignisse, sondern arbeitet fortlaufend heraus, wer Jesus Christus ist, weshalb sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren und wie Gott durch den Heiligen Geist seine Gemeinde baut. Bereits das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass der Autor den gesamten Spannungsbogen von der Geburt Jesu bis zur Gefangenschaft des Paulus nachzeichnet.

 

 

Positiv fällt außerdem auf, dass das Buch nicht bei den Evangelien endet. Viele Kinderbibeln schließen mit der Auferstehung Jesu. Der verborgene Schatz geht bewusst weiter und macht deutlich, dass Gottes Heilsgeschichte mit der Himmelfahrt Christi nicht abgeschlossen ist, sondern sich im Aufbau seiner Gemeinde fortsetzt. Dadurch erhalten Kinder einen wesentlich umfassenderen Überblick über das Neue Testament.

Stärken des Buches

Die größte Stärke des Buches liegt in seiner konsequent heilsgeschichtlichen Ausrichtung. Marty Machowski erzählt nicht einfach eine Sammlung einzelner Bibelgeschichten, sondern zeigt Kindern, dass Gott von Anfang an einen einzigen Rettungsplan verfolgt, der in Jesus Christus seinen Höhepunkt findet und sich in der Apostelgeschichte durch den Aufbau seiner Gemeinde fortsetzt. Dieser rote Faden geht in vielen Kinderbibeln verloren. Hier hingegen bleibt er über das gesamte Buch hinweg sichtbar. Ebenso überzeugend ist die konsequente Orientierung am biblischen Text. Das Buch möchte ausdrücklich gemeinsam mit der Bibel gelesen werden. Kinder werden nicht dazu angeleitet, lediglich eine Nacherzählung zu lesen, sondern die entsprechenden Abschnitte zunächst selbst in Gottes Wort nachzuschlagen. Dadurch wird die Bibel zur eigentlichen Autorität und nicht das Begleitbuch. Didaktisch ist das Werk hervorragend aufgebaut. Die fortlaufende Abenteuergeschichte schafft Spannung, ohne die Aufmerksamkeit dauerhaft von der Bibel wegzulenken. Stattdessen fungiert sie als Brücke zwischen den einzelnen Bibelabschnitten. Besonders für Kinder im Grundschulalter entsteht dadurch eine hohe Motivation, weiterzulesen. Hinzu kommen die ausgesprochen gelungenen Illustrationen von Flavia Sorrentino. Sie sind hochwertig gestaltet, kindgerecht und unterstützen das Verständnis der Geschichten, ohne überladen zu wirken. Die Bilder ergänzen den Text sinnvoll und tragen wesentlich dazu bei, dass jüngere Kinder dem Inhalt folgen können. Positiv hervorzuheben ist außerdem die große thematische Breite. Das Buch behandelt nicht nur die bekannten Ereignisse aus dem Leben Jesu, sondern führt die Leser bis an das Ende der Apostelgeschichte. Damit lernen Kinder früh, dass die Gemeinde kein Nebenthema ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil von Gottes Heilsplan. Bereits das Inhaltsverzeichnis verdeutlicht diesen umfassenden Ansatz. Ein weiterer Pluspunkt ist die Christuszentrierung. Die einzelnen Kapitel laufen nicht auf moralische Appelle hinaus, sondern zeigen immer wieder auf die Person und das Werk Jesu Christi. Damit unterscheidet sich das Buch wohltuend von vielen Kinderbüchern, die biblische Geschichten lediglich als Vorbilder für gutes Verhalten verwenden.

 

Theologische Bewertung

Aus bibeltreuer Sicht hinterlässt Der verborgene Schatz einen ausgesprochen positiven Eindruck. Bereits in der Einleitung macht Machowski deutlich, dass Lukas-Evangelium und Apostelgeschichte gemeinsam gelesen werden müssen, um Gottes Rettungsplan zu verstehen. Diese heilsgeschichtliche Perspektive entspricht der biblischen Darstellung beider Bücher. Besonders erfreulich ist die hohe Wertschätzung der Heiligen Schrift. Das Buch ersetzt die Bibel nicht, sondern fordert ausdrücklich dazu auf, jede behandelte Bibelstelle selbst zu lesen. Damit wird Kindern früh vermittelt, dass Gottes Wort die eigentliche Autorität ist. Christus steht im Mittelpunkt. Jesus erscheint nicht lediglich als moralisches Vorbild oder als freundlicher Helfer, sondern als der verheißene Retter, dessen Tod, Auferstehung und Herrschaft den Kern der gesamten Geschichte bilden. Ebenso wird die Entstehung der Gemeinde als Fortsetzung von Gottes Heilsplan dargestellt und nicht als zufälliges Nachspiel der Evangelien. Theologisch ist außerdem positiv zu bewerten, dass der Heilige Geist als handelnde göttliche Person erscheint, die den Aufbau der Gemeinde bewirkt. Dadurch bleibt die Darstellung eng an der biblischen Argumentation des Lukas. Kleinere Anfragen ergeben sich bei der Verwendung der BasisBibel als zugrunde liegender Bibelübersetzung. Diese ist zwar sprachlich leicht verständlich und für Kinder gut geeignet, erreicht jedoch nicht immer die Übersetzungsgenauigkeit wortorientierter Bibelausgaben wie der Schlachter 2000 oder der Elberfelder Bibel. Das betrifft allerdings die verwendete Bibelausgabe und nicht den theologischen Gehalt des Buches selbst. Insgesamt vermittelt Marty Machowski eine evangeliumszentrierte, schriftorientierte und weitgehend ausgewogene Darstellung der neutestamentlichen Heilsgeschichte. Gerade Eltern und Gemeinden, die ihren Kindern nicht nur einzelne Bibelgeschichten, sondern den großen Zusammenhang der Schrift vermitteln möchten, finden hier ein außergewöhnlich wertvolles Hilfsmittel.

 

Was gibt es Kritisches?

Wer ein klassisches Andachtsbuch erwartet, könnte zunächst von der umfangreichen Rahmengeschichte überrascht sein. Theo, Mira und Lydia begleiten den Leser durch das gesamte Buch. Diese Erzählung ist spannend geschrieben und dient als Verbindung zwischen den einzelnen Bibelabschnitten. Dennoch nimmt sie stellenweise relativ viel Raum ein. Gerade Eltern, die den unmittelbaren Bibeltext bevorzugen, werden gelegentlich den Wunsch haben, schneller zum eigentlichen Abschnitt zu gelangen. An manchen Stellen vereinfacht der Autor komplexe biblische Zusammenhänge verständlicherweise stark. Das ist der Zielgruppe geschuldet und grundsätzlich kein Mangel. Eltern sollten jedoch einzelne Themen – etwa die Person des Heiligen Geistes, das Reich Gottes oder die Entstehung der Gemeinde – später altersgerecht vertiefen. Aus theologischer Sicht bleibt das Buch erfreulich evangeliumszentriert. Dennoch werden Fragen, über die bibeltreue Christen unterschiedlich denken (beispielsweise heilsgeschichtliche oder endzeitliche Detailfragen), bewusst nicht behandelt. Das ist für ein Kinderbuch angemessen, bedeutet aber zugleich, dass Eltern manche Themen später ergänzen müssen. Ein kleiner Kritikpunkt betrifft die verwendete BasisBibel. Ihre moderne Sprache erleichtert zwar das Verständnis, doch an einzelnen Stellen geht gegenüber einer formal genaueren Übersetzung sprachliche Präzision verloren. Wer als Familie beispielsweise die Schlachter 2000 oder Elberfelder Bibel verwendet, wird die Bibelstellen vermutlich lieber daraus lesen und anschließend den erklärenden Text des Buches nutzen.

Wer sollte das Buch lesen?

Der verborgene Schatz eignet sich besonders für Familien mit Kindern im Grundschulalter. Ebenso profitieren Kindergottesdienste, Jungscharen und christliche Schulen von dem didaktisch gut aufgebauten Material. Da das Buch ausdrücklich für das gemeinsame Lesen mit der Bibel konzipiert wurde, bietet es sich hervorragend für die Familienandacht an. Auch Großeltern finden hier eine wertvolle Hilfe, um mit ihren Enkeln regelmäßig Gottes Wort zu lesen. Die Widmung macht deutlich, dass genau diese Generationen gemeinsam im Blick sind: Eltern, Großeltern und alle, die Christus an die nächste Generation weitergeben möchten.

Was bleibt?

Marty Machowski ist mit Der verborgene Schatz ein bemerkenswertes Kinderbuch gelungen. Es verbindet eine spannende Geschichte mit einer konsequent christuszentrierten Auslegung des Lukas-Evangeliums und der Apostelgeschichte. Statt moralischer Einzelgeschichten lernen Kinder den großen Zusammenhang von Gottes Heilshandeln kennen. Das Buch führt sie immer wieder zurück zur Bibel und macht deutlich, dass Jesus Christus der Mittelpunkt der gesamten Geschichte ist. Besonders überzeugend sind die heilsgeschichtliche Perspektive, die hohe Wertschätzung der Heiligen Schrift, die gelungene didaktische Aufbereitung und die hervorragenden Illustrationen. Kleinere Kritikpunkte ändern nichts daran, dass dieses Werk zu den empfehlenswertesten neu erschienenen Kinderbüchern der letzten Jahre gehört.

 

Gesamtbewertung: ★★★★ (4 von 5 Sternen)

 


Das Buch:

  • Marty Machowski. Der verborgene Schatz. Entdecke die Geschichte von Jesus und seiner Kirche. Verbum Medien. ISBN 978-3-98665-180-0. 264 Seiten. Preis: 28,90 €.

erhältst du hier